Literaturtipps
Rezension:
"Trennungskultur und Mitarbeiterbindung"
von Dr. Laurenz Andrzejewski
Ein Standardwerk von Deutschlands „Trennungspapst“ – ausführlich und pragmatisch beleuchtet es alle Facetten der Trennungsthematik, liefert Verhaltenstipps, Checklisten, einen Argumentationsleitfaden für Gespräche sowie zahlreiche Beispiele aus seiner beruflichen Praxis.
Die unmissverständliche Botschaft dieses umfassenden Handbuchs: Nur eine professionelle Vorbereitung von Trennungen kann Schaden an Menschen und Organisationen minimieren. Das zentrale Anliegen des Autors ist es, mit der ganzheitlichen Betrachtung des Trennungsprozesses eine möglichst faire und humane Trennungskultur im Unternehmen zu etablieren.
Dr. Laurenz Andrzejewski beschäftigt sich ausführlich mit den ökonomischen Aspekten von Trennungen und weist in seinem Buch auf messbare wirtschaftliche Folgen eines unprofessionellen Trennungsmanagements hin. Er beleuchtet geplante und ungeplante, direkte und indirekte Kosten sowie den Nutzen der Investition in eine professionelle Outplacement-Beratung.
Die Rolle der Führungskräfte im Trennungsprozess, deren Nöte, die eigene Betroffenheit und die Angst, Fehler zu machen, werden ausführlich unter die Lupe genommen. Der Autor weist aber auch auf das Fehlverhalten von Führungskräften hin und bietet zur Orientierung und Selbstdiagnose eine Reaktionstypologie an.
Die Notwendigkeit einer professionellen Vorgehensweise in Trennungssituationen belegen zahlreiche Berichte von Gekündigten über das persönliche Erleben und die Erfahrung von bleibenden Traumatisierungen. Als Anregung für ein professionelles Führen von Trennungsgesprächen erhält der Leser eine detaillierte Beschreibung von Reaktionstypen, Symptomen und Gefahren sowie zahlreiche Verhaltenstipps.
Jedoch nicht nur die Gekündigten müssen die Trennung verarbeiten. Die Auswirkungen auf die Verbleibenden werden ebenso thematisiert und systemisch eingeordnet. Der Autor belegt, dass sich die Folgen eines unprofessionellen Trennungsmanagements maßgeblich auf die Leistungsfähigkeit von Unternehmen auswirken können, wenn man der Gruppe der „Survivers“ zu wenig Beachtung schenkt. Über einen Abstecher zu Change Management und Führung im Wandel schließt das Buch mit dem Verweis auf die hohe Bedeutung einer ethischen Trennungskultur.
Rezension:
"Die faire Kündigung"
von Charles Meyer
Sehr lesenswert für alle, die sich über die emotionalen Auswirkungen von Kündigungen auf Mensch und Organisation informieren möchten.
Trennungen sind in den meisten Fällen sehr belastende Situationen für alle Beteiligten: Die Führungskraft und die Menschen, von denen sich Unternehmen aus den unterschiedlichsten Gründen trennen. Die Folgen von unglücklich verlaufenen oder unprofessionell geführten Trennungsgesprächen werden immer noch unterschätzt, denn sie können zu erheblichen Unsicherheiten, Verletzungen, tiefen Wunden bis hin zur Traumatisierung führen. Trennungen haben Auswirkungen sowohl auf die Chefs, die die Trennungen vertreten und die Trennungsbotschaft überbringen müssen, als auch auf die gekündigten Mitarbeiter und – durchaus unterschätzt – auf das verbleibende Team.
Auf der Basis seiner Erfahrungen als Coach und systemischer Unternehmensberater beschreibt der Autor, hinterlegt mit vielen Beispielen, die psychologischen Folgen dieser dreifachen Gefahr der Traumatisierung. Er setzt sich in seinem Buch mit der Situation der Führungskräfte auseinander, mit deren emotionaler Belastung sowie den möglichen Auswirkungen auf ihre weitere berufliche Karriere. Die Folgen von missglückten Trennungen und die dadurch verursachte seelische Belastung belegt Charles Meyer an drei Beispielen gekündigter Mitarbeiter. Er verdeutlicht das darin enthaltene Traumapotenzial und mögliche Hindernisse bei der Suche nach einer neuen Aufgabe.
Der Autor berücksichtigt in seinem Buch ebenso die verbliebenen Mitarbeiter und Kollegen wie das gesamte Team: „denn jede Kündigung ist eine Botschaft an die ‚Überlebenden“. Charles Meyer sensibilisiert, welche Auswirkungen Kündigungen auf diese „Überlebenden“ haben können, verbunden mit zumeist unerkannten Schäden für das Unternehmen. Erlebte Ungerechtigkeit, fehlende Trauerarbeit, Loyalität zum gekündigten Chef oder Kollegen – die systemischen Mechanismen haben ein exzellentes Gedächtnis und wirken lange Zeit nach. Sie nähren generell Misstrauen, fördern höchste Aufmerksamkeit für die eigene Situation und bringen unter Umständen bei Trennungsprozessen negative Folgen bei den verbliebenen Mitarbeitern wie Leistungsabfall, sinkende Belastungsfähigkeit bis zum Burnout.
Am Ende des Buches beschreibt der Autor verschiedene Strategien zur Bewältigung von Trennungssituationen aus der Psychologie. Bei der Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen setzt er auf die systemische Strukturaufstellung. Auch für Leser, die diese Methode nicht kennen, sind die Beispiele und Vorschläge, wie nachhaltige Schäden verhindert werden können, nachvollziehbar. Als Hilfestellung erhält der Leser am Ende des Buches eine ausführliche Checkliste mit Hinweisen für eine faire Kündigung. Die Sensibilisierung des Autors für die Bedeutung von Trennungsgesprächen und seine Empfehlungen sind eine wertvolle Hilfe zur Bewältigung dieser schwierigen Situation.
(Alice John)

